Die Nostalgie-Industrie

In diesem kleinen Blog-Artikel möchte ich Ihren Blick gerne mal auf bestimmte gesellschaftliche Entwicklungen lenken – und natürlich vor allem auf die Geschäftsgelegenheiten, die sich dadurch ergeben.
Was mir aufgefallen ist: In der Medienbranche (ganz allgemein gesprochen, meint also alles, was in irgendeiner Form Inhalte produziert) beobachte ich gerade in den letzten Jahren einen sehr starken Trend hin zu Nostalgie-Produkten.

Ich gebe Ihnen einige Beispiele.

Beispiel 1: Tourneen/Konzerte

Hier gibt es mehr und mehr Bands und Acts im, sagen wir mal „fortgeschrittenem Alter“, die Tournee nach Tournee veranstalten und dabei gewaltige Summen verdienen. Darunter sind beispielsweise U2, Madonna oder Bon Jovi oder natürlich die Rolling Stones, von denen dieser Trend gewissermaßen losgetreten wurde – ganz zu schweigen vonKünstlernn wie Bob Dylan oder Leonard Cohen, die seit Jahren auf “Never Ending Tour” sind.
Die Umsätze liegen dabei teilweise deutlich über dem, was die heutigen neuen Stars und Superstars einnehmen. Die Grundlage dafür bieten zwei parallel laufende Entwicklungen.
Entwicklung 1: Die Generation 35+ wird immer zahlungskräftiger und ist weit aktiver als vor zwei/drei Jahrzehnten noch.
Entwicklung 2: Gleichzeitig zeigt diese Generation großes Interesse daran, Erfahrungen aus der Jugend zumindest kurze Zeit wieder aufleben zu lassen – mit anderen Worten: Nostalgie.
Die Folge sind stetig steigende Ticket-Preise bis hin zu VIP-Tickets und Lounges bei Konzerten. Und die Folge sind immer neue Umsatz-Rekorde. Damit einher geht eine komplette Neuausrichtung der Musikbranche in Folge des Vormarsches von MP3 und Co. Heute wird das große Geld mit Konzerten verdient.
Anders gesagt: Früher promotete man eine neue Platte mit einer Tour. Heute nimmt man, wenn überhaupt, eine Platte auf, um wieder einen Grund zu haben, auf Tour zu gehen (und Geld zu verdienen).
Eine wichtige Rolle spielt hier der Event-Charakter. Das Erleben wird also wichtiger, das Live dabei sein.
Eine Lehre für uns daraus: Bieten Sie ihren Kunden Events, besondere, erinnerungswürdige Erlebnisse.

Beispiel 2: Retro-Games

Auf genau den gleichen Mechanismen baut der immer stärker werdende Nostalgie-Trend der Computer- und Videospielebranche auf. Längst ist das Durchschnittsalter der „Gamer“ deutlich jenseits der 30 Jahre angekommen. Ganze Generationen von Spielfans haben in den 80er, 90er und 00er Jahren mit dem Zocken begonnen – und bis heute nicht aufgehört.
Remakes und Neu-Interpretationen von Spiele-Klassikern drängen auf den Markt und werden oft, sofern die großen Verlage nicht an Bord sind, durch Crowd-Funding-Plattformen und damit durch die Fans selbst und direkt finanziert.
Prominentestes Beispiel ist das Projekt „Star Citizen“ des Wing-Commander-Erfinders Chris Roberts, für das bereits knapp 20 Millionen US-Dollar (!) an Kapital eingesammelt wurden. Zahlreiche andere Projekte warten – je nach Fan-Apeal – mit ebenfalls sehr beeindruckenden Zahlen auf.
Auch hier ist der Hintergrund ähnlich. Die Unterstützer, genannt “Backer”, kaufen sich ein Stück Jugend zurück. Und bekommen je nach Modell zusätzlich die Illusion wirklicher Mitsprache. Sie werden zum Teil des Prozesses, zum Teil einer größeren Sache, zum Teil des Events.

Beispiel 3: Vinyl

Ein weiteres sehr interessantes Beispiel sind Langspielplatten – die Älteren unter uns erinnern sich vielleicht… 🙂 Eigentlich bereits durch die CD verdrängt, die gerade das gleiche Schicksal durch MP3, iTunes und ähnlicher Angebote erleidet, erfreuen sich Langspielplatten innerhalb klar umrissener Nischen wieder großer Beliebtheit. Schon seit Jahren steigt die Zahl der produzierten und verkauften Langspielplatten wieder deutlich an – und natürlich wandern sie gerne zu gesalzenen Preisen über den Ladentisch, da auch hier die Zielgruppe im Schnitt zahlungskräftig und zahlungsbereit ist. Das geht sogar so weit, dass Vinyl derzeit das wachstumsstärkste Musik-Medium bei Amazon ist, mit einem Plus von 745 % seit 2008…!

Und was lernen wir daraus?

All‘ diesen Beispielen ist gemeinsam, dass eine zunehmend zahlungskräftige und weiter wachsenden Zielgruppe sich hier mit Nostalgie-Produkten (im weitesten Sinne) ein Stückchen Jugend zurückkauft und dafür auch gerne gutes Geld ausgibt. Im Vordergrund stehen der Erlebnis-Charakter und die Gruppen-Zugehörigkeit.
Ein sehr spannender Trend also, von dem auch ihr Business profitieren kann, wenn Sie entsprechenden Produkte in Ihrem Portfolio haben oder ins Portfolio aufnehmen können. Denken Sie beim Verkauf nur grundsätzlich immer an die Grundregel, dass Sie im Kern ein neues Leben, einen anderen Lifestyle verkaufen, was anhand der oben genannten Beispiel deutlich geworden sein sollte. Konzentrieren Sie sich im Verkauf darauf und nicht auf Features/Funktionen Ihres Produkts. Die ideale Basis dafür ist die Kunden-Avatar-Übung, die jeder Unternehmer unbedingt als Grundlage jeglichen Marketings machen sollte. Je mehr Sie über Ihre potentiellen Kunden wissen, desto besser. Ich wünsche viel Erfolg!

Wie ist Ihre Meinung? Haben Sie ähnliche Trends beobachtet? Haben Sie Ideen, wie Sie diese Trends in Ihrem Business nutzen können? Ich freue mich auf Ihre Kommentare.

8 Kommentare zu „Die Nostalgie-Industrie“

  1. Dem stimme ich voll und ganz zu. Es gab zur Zeit von Langspielplatte & Co nicht dieses Ausmass an Technik. Aus meiner Sicht ist das zu viel, was die Menschen auch spüren. Die Kurzlebigkeit der Technik wird bewusst so gehalten, bei Stillstand geht gar nichts. Produkte dieser Zeit kann man heute noch verwenden, es ist auch ein Wunsch, dass gute Qualität wieder zurück kehrt.
    Christine

  2. Ich denke Christine hat REcht, wenn Sie den Faktor Qualität anspricht. Ich denke, dass gerade neben dem Event-Character und dem „ich gönn mir jetzt mal was“ auch der Wunsch nach hoher Qualität und ein Stück Verlässlichkeit in dieser schnelllebigen Zeit für die angesprochene Zielgruppe wichtig ist.

  3. Hallo Heiko,

    das ist mal wieder ein sehr guter Post von Dir und eine gute anregung für ein Affiliateprojekt. Danke
    Kai

  4. Die Stones konnten diese Masche immer wiederholen weil die Kunden, dachten dass diese Tour nun wirklich die aller aller aller letzte sei. Andere haben das kopiert.
    Kommentar 1 und Zwei sind eindeutig Spam Kommentare.
    Hast Du keinen Akismet installiert? Na Heiko.. Da haben deine Leute aber richtig geschlampt oder nicht?

  5. Hi Heiko,

    interessante Perspektive und ein toller Denkanstoß, den ich nur bestätigen kann. Im vergangenen Sommerurlaub in Pula, Kroatien gab Joe Cocker mit 69 Jahren ein unglaubliches Konzert im dort ansässigen Amphitheater. Die Kulisse war traumhaft und ich glaube keiner der vielen tausend Leuten hat die 60€ für eine Sitzkarte bereut.

    Beste Grüße,
    Mario

  6. Honda und Yamaha reiten mit ihren Motorbikes in Thailand auf einer ähnlichen Welle. Das Scoopy von Honda und das Fino von Yamaha sehen aus wie moderne Vespas. Und sie gehören zu den meistverkauftesten Bikes in diesem Land

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